Bella
Die „Bella“ war wohl eine der ersten Frauenzeitschriften, die sich wirklich etablieren konnte und fast sofort nach der ersten Ausgabe bereits hohe Verkaufszahlen aufwies. Bella ist ein Kind der Heinrich Bauer Verlags KG und hat ihren Sitz in Hamburg. Mit Verkaufszahlen von nahezu 150 000 Exemplaren pro Woche zählt sie zu den beliebtesten Frauenzeitschriften seit ihrer Gründung in den Siebziger Jahren. Sie liegt nicht nur in vielen Wohnzimmern regelmäßig zum Lesen bereit, sondern auch in den Wartezimmern von Arztpraxen und bei Friseuren – ganz sicher hat es einen guten Grund, warum Frauen auch gerne nach dieser Zeitschrift greifen, selbst wenn sie sie nicht regelmäßig kaufen. Bella spricht Frauen an und das wirklich schon seit der ersten Ausgabe.
Viele Zeitschriften und Modemagazine erscheinen regelmäßig neu auf dem Markt, aber nur wenige können sich dauerhaft halten und relativ gleich bleibende Verkaufszahlen aufweisen. Das hingegen ist mit der Bella gelungen. Die Tatsache, dass diese Zeitschrift schon mehrere Jahrzehnte auf dem Markt ist und inzwischen eine neue Generation von Bella-Leserinnen herangereift ist, eigentlich sogar schon die dritte Generation, hat hier niemals zu großartigen Änderungen in der Verkaufsstatistik geführt.
Nicht nur die Leserinnen der Bella haben sich der Zeit entsprechend entwickelt, sondern auch das Modemagazin selbst. Dabei versteht Bella sich noch nicht einmal als Modemagazin, ist sie im strengen Sinne auch nicht. Denn die Themen gehen weit über Mode hinaus.
Frauen jeden Typs – vom Interesse her – werden hier interessante Artikel und Anregungen finden. Erfahrungsberichte beweisen Problem beladenen Frauen: es gibt auch noch andere Frauen, die das gleiche oder ein ähnliches Problem haben. Damit lässt sich fertig werden. Berichte zu Promis und dem Adel dürfen natürlich nicht fehlen – Klatsch und Tratsch ist, sofern ein Magazin eben nicht nur darauf aufgebaut ist – durchaus einmal interessant zwischendurch. Zahlreiche Rätsel und Kreuzworträtsel sorgen für Gehirnjogging zwischendurch.
Produkttests und Kauftipps zu technischen Geräten überfordern die Leserinnen nicht wie es bei vielen Fachzeitschriften der Fall ist, sondern leisten wertvolle Kaufberatung. Kochrezepte en masse und viele, viele Backideen mit Rezept schaffen jede Woche neue Anregungen. Ernährungstipps und Kosmetiktipps sind selbstverständlich. Und dazwischen wird natürlich auch die Mode für den kommenden Herbst, Sommer, das nächste Frühjahr oder den nächsten Winter vorgestellt. Typberatung zeigt, wie sich jede Frau mit wenigen Tricks und den richtigen Klamotten in Szene setzen und wie ein Model aussehen kann. Dazwischen finden sich auch noch Karrieretipps und Tipps zum Wiedereinstieg in den Beruf, zur Schwangerschaft, zum Familienleben.
Kein Wunder ist diese Zeitschrift sehr beliebt. Wir sollten aber ehrlich sein. Ganz sicher haben wir unsere Omi oder unsere Mutti für den regelmäßigen Kauf der Bella belächelt. Fanden sie oberflächlich, tussimäßig oder einfach typisch Mutti-Zeitung? Und damit haben wir der Bella Unrecht getan. Es ist eigentlich in Ordnung bis zu einem gewissen Alter, Bücher die Mutti liest, Musik die Mutti hört, abzulehnen – das gehört zu einer Abnabelung dazu und ist sogar sehr wichtig. Doch irgendwann holt die Bella uns alle ein und beim Durchblättern, auch wenn scheinbar gleichgültig und gelangweilt und im Wartezimmer der Arztpraxis, stellen wir doch sehr schnell fest: Mutti lag gar nicht so falsch mit diesem Magazin. Denn in der Bella ist eigentlich alles enthalten, was uns Frauen so interessiert.





