25. Februar 2015 von Shop
News

Erst Schlankheitswahn, nun Magerwahn – wo soll das enden?

Ein großer Teil der Weltbevölkerung wird immer übergewichtiger, und auch die Kinder neigen in vielen Ländern zunehmend an Fettleibigkeit. Millionen Menschen auf der Erde sind dünn bis mager, weil sie unterernährt sind. Zwischen diesen bedauerlichen Kontrasten und Extremen schlägt sich die westliche Welt mit einem „Problem“ herum, das in den Medien immer wieder aufgegriffen wird: Stars und Sternchen hungern sich die letzten Kurven ab und erscheinen auf Galas als klapperdürre Elendsgestalten, denen die Strapazen des Abnehmens ins Gesicht geschrieben stehen.

Galten Frauen lange Zeit auch mit einer Konfektionsgröße 42 als schlank, muss es heute 36 oder lieber noch 34 sein. Prominente Männer fallen zunehmend ebenfalls dadurch auf, dass sie aussehen wie Konfirmanden.

sensual-239447_640

Models als Idealbild für viele Frauen

Wer bestimmt das erschreckende Schönheitsideal unserer Zeit?

Die Models auf den Laufstegen verkörpern die angeblichen Idealmaße mit ihren dünnen Beinen und Armen und ohne ein überschüssiges Gramm Fett am Leib. Oft werden sie als „Kleiderständer“ bezeichnet, doch sie tauchen zunehmend als Begleitung oder feste Beziehung von Film- und Sportstars auf. Folglich setzt sich der Eindruck fest, sie würden aufgrund ihrer überschlanken Figur als besonders begehrenswert gelten. Normalgewichtige Frauen und vor allem junge Mädchen vergleichen den eigenen Körper mit dem der vermeintlichen „Traumfrauen“ und kommen zu einem niederschmetternden Ergebnis: Sie sind viel zu dick, um einen tollen Mann zu finden und gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Tatsächlich wird auch hierzulande Übergewicht zunehmend mit der Zugehörigkeit zu unterprivilegierten Schichten gleichgesetzt.

Wie müssen sich erst übergewichtige Mitmenschen angesichts der Magermodelle auf den Catwalks, roten Teppichen, in den Medien und in der Werbung fühlen? Vor allem angesichts der Verlogenheit, dass immer mal wieder ein neuer Trend publiziert wird, der den Eindruck erweckt, ein allgemeines Umdenken habe eingesetzt. Nur weil vereinzelt mollige bis füllige Künstlerinnen Erfolg haben oder sich ein sogenanntes Plus Size Model (Größe 42/44!!!) durchsetzt, wird der allgemeine Magerwahn nicht kleiner.

Dünn ist gleich schön und erfolgreich – diese angebliche Zauberformel wurde von Modedesignern und in Hollywood dermaßen verinnerlicht, dass die Protagonisten dieses zweifelhaften Schönheitsideals gar nicht mehr merken, welchen Irrweg sie beschritten haben. Attraktive Weltstars schrumpfen zusehends immer weiter und setzen sich selbst einem unmenschlichen Druck aus. Das größte Problem dürfte darin bestehen, das Promis und VIPs damit Maßstäbe setzen, denen andere auf den Leim gehen. Millionen Frauen lassen sich davon anstecken und eifern ihren Vorbildern nach. Nicht nur die Gesundheit bleibt dabei auf der Strecke.

Durch die Werbung wird der Magerwahn noch vehement unterstützt. Den Verbrauchern wird mit diversen Schlankheitsmitteln suggeriert, es sei ein Kinderspiel, sich innerhalb weniger Wochen von überflüssigen Pfunden zu befreien. Gleichzeitig wird den Menschen mit normaler Figur eingeredet, dass sie dringend an sich arbeiten müssen. Das Paradoxe daran in unserer konsumorientierten Welt: Die Lebensmittelindustrie produziert Dickmacher am laufenden Band und bringt ständig neue Kalorienbomben auf den Markt. Familien, die wenig Geld zur Verfügung haben, ernähren sich ungesund mit Fast Food sowie zucker- und fetthaltigen Industrieprodukten, die zu Discount-Preisen vermarktet werden. Jedes Kilo zuviel muss dann mühsam wieder abgehungert werden, weil die unzähligen Diätkonzepte, Fitnessdrinks und Schlankheitspillen nicht halten, was sie versprechen.

Diät

Abnehmen mittels Tabletten – die Werbeindustrie mach es einem leicht

 

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen findet sich zu dick

Kein Wunder: Wer sich ständig mit Promis der Magerstufe vergleicht, kann schnell Komplexe kriegen. Da fühlt sich ein junger Mensch bald unwohl in seiner Haut – ganz unabhängig davon, auf welcher Zahl der Zeiger der Waage stehen bleibt. Bereits 42 Prozent der Mädchen zwischen acht und elf äußern den Wunsch abzunehmen. Diese verzerrte Selbstwahrnehmung wird im Laufe der Jahre nicht besser: Bei den 18- bis 25-Jährigen geht das Verlangen nach einer Gewichtsreduktion sogar so weit, dass sie lieber einen schlechten Charakter hätten als zu viel Speck auf den Rippen, belegt eine Studie. Kids und Teens oder junge Erwachsene betrachten ihr Gewicht als zentrales Thema ihres Lebens – und das sind beileibe nicht nur diejenigen, die tatsächlich zu viel wiegen. Vielmehr hat sich in den Köpfen unserer Jugend das Bild verankert, nur als schlanker bis dünner Mensch akzeptiert zu werden. Wer davon abweicht, gilt als fett und peinlich.

Dass sich der Wert einer Person nicht in ihrem Taillenumfang und der Größe ihres Hinterteils bemisst, scheint ins Bewusstsein der durch viele schädliche Einflüsse veräußerlichten jungen Leute nicht vorgedrungen zu sein. Vielfach ist hieran auch das Elternhaus beteiligt – etwa durch ständige Appelle, auf die schlanke Linie zu achten, oder im Gegenteil fortwährend zur Aufnahme von meist ungesunder Nahrung zu animieren. Magerwahn, Fettleibigkeit, nachhaltige Essstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl und psychische Probleme sind die schlimmen Folgen.

Pubertät

Bereits in der Pubertät beginnen die Diäten

 

Das Dilemma beginnt meistens in der Pubertät

Auch wenn bereits Mädchen vor dem Teenageralter ihren Körper kritisch unter die Lupe nehmen – mit dem Einsetzen der Pubertät wird das eigene Körpergewicht für weibliche und männliche Teens mehr und mehr zum Thema. Übergewichtige, denen es gelingt abzunehmen und ihr Normal- oder Idealgewicht zu halten, haben gute Chancen, ein intaktes Selbstbild zu entwickeln und mit ihrem Körper im Einklang zu leben.

Doch sehr viele junge Frauen und Männer haben gravierende Essstörungen, mit denen sie allein gelassen werden oder weil sie jede Hilfe verweigern. Steigert sich das Bedürfnis abzunehmen bei einem jungen Menschen derartig, dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist, handelt es sich um ein ernstes Problem. Wer von einem unnatürlichen Schönheitsideal angespornt wird, das nur extrem schlanke bis spindeldürre Frauen und Männer gelten lässt, verfällt einem nahezu unerreichbaren Ideal und will seinen Körper zwanghaft dieser Norm anpassen.

Allerdings lösen nicht die mageren Vorbilder Essstörungen bei ihren jugendlichen und erwachsenen Bewunderern aus. Es sind vielmehr schwerwiegende seelische Probleme, die den Ausschlag geben. Die individuellen psychischen Defizite werden auf die Nahrung und auf die als glamourös erscheinenden Persönlichkeiten projiziert. Die Hoffnung, als schlanker Mensch selbstbewusster und anerkannter zu sein, kann zu Essstörungen führen.

Diese Krankheit äußert sich unter anderem darin, dass aus Frust, Verzweiflung oder Langeweile verspeiste Süßigkeiten oder andere Lebensmittel aus Scham und Selbstverachtung wieder herausgewürgt werden müssen. Wer akute Essstörungen bei jemandem bemerkt und diesen massiven Hilfeschrei überhört, macht sich vor allem bei sehr jungen Betroffenen mitschuldig.

Magerwahn – und kein Ende abzusehen?

Model

Plus-Size Models sollten häufiger in den Medien erscheinen

Ein wirklicher Hoffnungsschimmer lässt leider auf sich warten. Derzeit hat der allgemeine Magerwahn gerade einmal wieder einen Höhepunkt erreicht.

Denn auch zahlreiche Diven und andere prominente Frauen und immer mehr Männer schließen sich dem Trend an.

Eingefallene Wangen, faltige Hälse und weitere unschöne Begleiterscheinungen sind auffällig.

Getoppt wird der Wettbewerb um die schmalsten Hüften, flachsten Bäuche, um „Size Zero“ und „Tigh Gap“ noch von Vergrößerungen der Oberweite, durch die klapperdürre Ladys auf High Heels nach vorn zu kippen drohen.

Gar nicht zu reden von den teils unsäglichen und entstellenden chirurgischen Eingriffen oder Botox-Behandlungen einstmals reizvoller und unverwechselbarer Gesichter.

Der natürlichen Schönheit wird manches Schnippchen geschlagen, und statt eines Gesamtkunstwerkes ist das Resultat eher mitleiderregend bis abstoßend.

Wenn in der Öffentlichkeit und in den Medien öfter normal- bis übergewichtige Frauen gefeiert werden würden, könnte dies eine veränderte Wahrnehmung einleiten. Es gäbe zwar weiterhin Menschen, deren Hemmungen und Probleme zu einer Magersucht führen. Doch es könnte ebenso gut sein, dass sich junge und auch reife Personen mit Normalgewicht weniger angreifbar und provoziert fühlen, sich auf eine XS-Kleidergröße herunterzuhungern.

Zum Glück gibt es immer noch vollschlanke, mollige und sogar dicke Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Haltung, ihrer Fähigkeiten und ihrer Leistungen im öffentlichen Urteil bestehen können. Die es nicht für unerlässlich halten, ständig an ihrem Gewicht und ihrem äußeren Erscheinungsbild diszipliniert bis verbissen zu „arbeiten“. Das Showgeschäft, die Modewelt, die Werbung und die einschlägigen Gazetten und Internet-Portale setzen die Maßstäbe des Magerwahns, den Millionen Menschen leider zu ihrem persönlichen Idealbild erhoben haben – auf Gedeih und Verderb!

Bilder: Pixabay.com

Dein Kommentar

Ähnliche Beiträge