Anna Piaggi: Mode-Exzentrikerin stirbt mit 81 Jahren
Werdegang eines Paradiesvogels
Geboren und aufgewachsen in Mailand, startete Anna Piaggi ihre Karriere zunächst als Übersetzerin, wechselte in den frühen Sechziger Jahren jedoch in den kreativeren Journalistenberuf, wo sie sich voll und ganz ihrer Leidenschaft für Mode widmen konnte. Jahrzehntelang war die italienische Vogue Sprachrohr ihrer außergewöhnlichen Interpretationen, mit denen sie den Stil des Modemagazins auch für die Zukunft geprägt hat. Legendär ist vor allem Anna Piaggis Collagen-Feature, das ihre Sicht auf die Mode auf einer bunt gestalteten Doppelseite zusammenfasste.

Übertreibung statt Zurückhaltung: Anna Piaggi liebte es, mit ihren Outfits in modischer Opulenz zu schwelgen. (Bild: iqons/wikipedia unter CC BY 2.0)
Stammgast in der Front Row
Inspirationen für ihre Arbeit als Journalistin holte sich Anna Piaggi gerne direkt vor Ort, das heißt bei den Schauen und Fashion-Events großer Designer. Auf ihren Platz in der ersten Reihe verzichtete sie trotz zunehmender Gebrechlichkeit auch in fortgeschrittenem Alter nicht.
Schließlich stillten die Auftritte bei internationalen Fashion Weeks nicht nur ihre Lust an immer neuen Kreationen, sondern boten Raum zur modischen Selbstdarstellung. Diesen füllte Anna Piaggi mit exzessiven Styles, die vorherrschende Trends meist ebenso ignorierten wie gesellschaftliche Konventionen oder vermeintlich allgemeingültige Regeln des guten Geschmacks.
Anstatt feine Akzente zu setzen, schrie Anna Piaggi ihre Obession für Mode mit jedem Quadratzentimeter Stoff laut in die Welt hinaus. Knallige Farben, extravagante Schnitte und nicht zuletzt das beinahe clowneske Make-up mit tiefroten Lippen, blauem Lidschatten und runden Apfelbäckchen sicherten ihr stets die Aufmerksamkeit von Kollegen und Fotografen. Selbst ihr im Alter ergrautes Haar nutzte sie als Leinwand für farbliche Experimente, anstatt dem Jugendwahn folgend ihre Naturhaarfarbe wiederzubeleben.
Als Künstlerin geehrt und literarisch verewigt
Zwanzig Jahre nachdem sie ihre Karriere in der Modewelt begonnen hatte, wurde Anna Piaggi von Designer Karl Lagerfeld zu dessen Muse erkoren. 1986 widmete ihr der nicht weniger exzentrische Modeschöpfer sogar ein ganzes Buch, in dem er den eigenwilligen Stil der Italienerin in handgezeichneten Skizzen treffsicher einfing.
Ihren längst in Stein gemeißelten Status als Mode-Phänomen untermauerte zuletzt das Londoner Victoria und Albert Museum, das Anna Piaggis umfangreiche Garderobe einem breiten Publikum hautnah zugänglich machte. Die Ausstellung im Jahre 2006 umfasste knapp 3000 Kleider, zahlreiche Schuhe und Hüte. Letztere wurden besonders in den letzten Jahren zum Markenzeichen Anna Piaggis, die angeblich nie zweimal das gleiche Outfit trug.
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