7. Mai 2012 von Katharina Ziegler
News

„Health Initiative“: VOGUE will künftig auf Magermodels verzichten

Sie gilt als Bibel der Modeindustrie und hat seit mehr als einhundert Jahren maßgeblichen Einfluss auf die Karrieren von Designern und Models: Nun will die VOGUE auch soziale Verantwortung übernehmen und mit der „Health Initiative“ ein Zeichen gegen den immer extremeren Schlankheitswahn in Medien und Gesellschaft setzen. Konkret bedeutet dies den Verzicht auf Magermodels, die ab Juni nicht mehr in den 19 internationalen Ausgaben des Magazins zu sehen sein werden.

Rückkehr zu gesundem Körperideal

Size Zero galt in den letzten Jahren als Maß aller Dinge im Mode- und Model-Business und kreierte ein für viele Frauen völlig unrealistisches Bild von Schönheit. Sie markiert buchstäblich den Nullpunkt, an dem eigentlich nur noch ein Umdenken in Frage kommt. Dies hat sich nun zumindest das einflussreichste Modemagazin VOGUE in Form eines sechs Punkte umfassenden Programms zur Aufgabe gemacht.

Magermodel bei Fashion Show

Hervorstehende Rippen und streichholzdünne Arme sollen laut VOGUE bald der Vergangenheit angehören. (Bild: Tiago Chediak/wikipedia unter CC BY 2.0)

„VOGUE ist davon überzeugt, dass Schönheit und Gesundheit zusammengehören“, erklärt Jonathan Newhouse, Vorsitzender von Condé Nast International. „Die VOGUE-Chefredakteure auf der ganzen Welt fühlen sich für die Gesundheit der gezeigten Models und der ihrer Leser verantwortlich und möchten, dass sich dies in ihrem Magazin widerspiegelt.“

Neue Richtlinien für VOGUE-Models

Der selbst auferlegte Codex zur Verbreitung eines gesünderen Körperideals widmet sich nicht nur dem Gewicht, sondern auch den Arbeitsbedingungen und dem Alter der Models. Im ersten Punkt der „Health Initiative“ heißt es, dass VOGUE nur noch mit Models ab 16 Jahren zusammenarbeiten werde, die keinerlei Essstörungen haben und nach objektiven Maßstäben gesund aussähen. Auf genaue Vorgaben zu Gewicht, Maßen oder BMI verzichtet das Magazin jedoch weiterhin und räumt ein, zumindest wissentlich keine kranken Mädchen mehr abbilden zu wollen.

Lediglich das Alter werde künftig anhand der Personalausweise überprüft, wie es im zweiten Punkt der Initiative heißt. Die Arbeitsumstände sollen durch Mentoren-Programme mit erfahreneren Models und gesundheitsfördernde Bedingungen bei Shows und Fotoshootings verbessert werden.

Kritischer Appell an Designer

Neben Modemagazinen sind es vor allem renommierte Designerlabels wie Dior, Chanel und Prada, die bei Kampagnen und Fashion Shows unerreichbare Ideale kreieren und verbreiten. Die Health Initiative setzt deshalb auch auf die Unterstützung von Designern und bittet sie, „die Folgen unrealistisch kleiner Mustergrößen ihrer Kleidung zu bedenken, welche die Auswahl an Frauen, die ihre Mode tragen können, begrenzt und den Einsatz extrem dünner Models begünstigt.“

Außerdem verpflichten sich die 19 Chefredakteurinnen, unter ihnen auch Anne Wintour als berüchtigte Chefin der amerikanischen Ausgabe, das gesunde Körperideal auch außerhalb des Mediums VOGUE zu verbreiten, und zwar „bei jeder sich uns bietenden Gelegenheit, bei der wir unseren Einfluss geltend machen können.“

Designer Marc Jacobs bezeichnet Initiative als lächerlich

Zum recht vage gehaltene Codex äußerte sich auch Designer Marc Jacobs sehr kritisch. Bei einem Auftritt in Berlin bezeichnete er die Health Initiative als lächerlich. Denn Kampf gegen Essstörungen solle man seiner Meinung nach eher mit Aufklärungskampagnen und der Förderung der spirituellen Gesundheit aufnehmen.

Ob und inwiefern es durch den selbst auferlegten Kodex der VOGUE zu einer Veränderung des vorherrschenden Schönheitsideals kommt, bleibt abzusehen. In den Juni-Ausgaben ist das Programm erstmals angewendet worden, sodass sich Leserinnen demnächst selbst vom Ergebnis überzeugen können.

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